Herr Plöger, welche Irrtümer zum Wetter begegnen Ihnen immer wieder?
Das zentrale Problem liegt für mich in der permanenten Verwechslung von Wetter und Klima. Das Wetter ist ein tägliches Wechselspiel, das Klima ist ein 30jähriges gemitteltes Wetter. Erst dann reden wir von Klima. Oder anders gesagt: Klima ist Statistik und Wetter ist subjektive Wahrnehmung. Wetter können wir fühlen, Klima aber nicht. Gerne wird dann ein Ereignis wie ein starkes Unwetter zu einem Indiz für den vom Menschen gemachten Klimawandel.
Wofür brauchen wir so viele Wetterstationen?
Je engmaschiger das Netz, desto genauer können wir prognostizieren. Denn schon auf engstem Raum gibt es große Wetter-Unterschiede. Viele Stationen, das bedeutet ein gutes Abbild des Ist-Zustandes. Meteomedia verfügt mittlerweile über mehr als 500 Stationen in Deutschland. Über 70 davon in NRW. Der Ausbau läuft weiter und alle paar Wochen wird eine neue Station eröffnet. Die Gemeinden, in denen eine Station aufgestellt wird, sehen dies auch immer als positive Öffentlichkeitsarbeit für ihren Ort.
Waren Sie selber oder Ihr Haus schon mal ein Wetter-Opfer?
Nein, noch nie. Dabei war ich schon als Kind fasziniert von Wetterereignissen. Gerne bin ich bei Gewitter nachts auf den Balkon gestiegen, um Blitz und Donner besser beobachten zu können. Ein sehr beeindruckendes Wettererlebnis hatte ich allerdings mit Sturm Lothar im Dezember 1999. Da war ich ganz nah dran. Es herrschten Sturmböhen von 180 km/h. Das Haus, in dem wir uns befanden hatte keinen Keller und so empfiehlt es sich bei derart extremen Wetterlagen den kleinsten Raum im Haus aufzusuchen. Das ist, in den allermeisten Fällen das Bad. Und so kam es, dass wir am 2. Weihnachtstag 1999 viele Stunden auf einem Gäste-WC ausharrten und dem Pfeifen und Heulen von Sturm Lothar lauschten.
Zentrales Thema der heutigen Veranstaltung sind die Zukunftsperspektiven.
Der Titel Ihres Vortrages lautet „Gute Aussichten für morgen?“ Was wünschen Sie sich für die aktuelle Klimadiskussion?
Seit 23 Jahren geistert nun schon das Wort Klimakatastrophe durch das Land und seit den 90ern erzählen wir uns, dass es 5 vor 12 ist. Und doch passiert viel zu wenig! Und weil das so ist, behaupte ich, dass unsere Katastrophenstrategie einfach falsch ist. Was soll uns an einer Katastrophe auch zum Handeln motivieren? Absolut gar nichts! Für mich stehen deshalb zwei ganz andere Dinge im Mittelpunkt. Erstens: wir brauchten Klimabildung! Viel mehr Menschen müssen verstehen, was um sie herum passiert – vor allem junge Menschen, die noch lange auf der Welt leben und die die Veränderungen viel stärker spüren werden als wir heute. Und dann kommt es darauf an, sich die vielen schon jetzt existierenden Möglichkeiten für eine bessere Zukunft bei der Energieversorgung vor Augen zu führen. Unsere Chancen in den Mittelpunkt zu stellen und damit einen Optimismus zu begründen – das ist mein Wunsch in der aktuellen Klimadiskussion. Denn jeden Tag (!) 13,8 Milliarden Liter wertvolles Erdöl zu verbrauchen ist schließlich alles andere als nachhaltig.
Haben Sie selbst Pläne, wie es auch schon Kollegen vor Ihnen getan haben, in die Unterhaltungsbranche oder in die Moderation von Wissenschaftssendungen zu wechseln?
Ich gebe zu, Wissenschaftssendungen wären eine Herausforderung. Aber ich würde immer Wert darauf legen, mein zentrales Steckenpferd, das Wetter und die Wettervorhersage in den Mittelpunkt zu stellen. Durch die Arbeit an meinem Buch habe ich mich auch wieder wissenschaftlicher Arbeit gewidmet. Sehr gerne halte ich Vorträge oder nehme an Diskussionsrunden teil, weil ich dabei den direkten Kontakt zum Publikum habe. Ich halte meine Vorträge grundsätzlich frei, weil ich sehen möchte, wie die unterschiedlichen Aspekte bei den Menschen ankommen und welchen Themen besonders interessieren.
Gibt es einen Lieblings-Klima-Tipp, den Sie Ihren Zuhörern mit auf den Weg geben?
Es gibt so unglaublich viele Dinge, die man ohne großen Aufwand tun kann und die zudem Geld einsparen. Deshalb rate ich natürlich zuerst immer dieses Kapitel in meinem Buch zu lesen oder einen der vielen und oft guten Ratgeber zum Thema zu kaufen. Richtig viel Geld kann man sparen, wenn man z.B. keinen Geländewagen kauft – zumindest dann, wenn man ihn nicht wirklich braucht. Unsere Straßen sind nämlich überraschend gut asphaltiert. Zählen Sie mal die Flußquerungen zwischen Hamburg und München – die gibt es vergleichsweise selten. 100% Enerige sparen können Sie auch, wenn Sie keinen Wäschetrockner benutzen und die etwas altbackene Wäscheleine wieder zum Einsatz bringen. Außerdem bin ich dafür, dass in ein Gesetz geschrieben wird, dass jedes elektronische Gerät einen Ausschaltknopf haben muss, der jegliche Energiezufuhr unterbricht. Bei vielen finden Sie den nämlich nicht mehr und so sind sie auf „Standby“ angewiesen. Aber dafür, dass Geräte betrieben werden, die für sehr lange Zeit gar nichts tun, produzieren wir in Deutschland jedes Jahr eine Energiemenge von 18 Milliarden Kilowattstunden. Würde man das sein lassen, könnte man zwei Kraftwerke komplett abschalten.
Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft –
Wie wird das – gemittelte - Wetter von morgen?
Es wird im Mittel wärmer – aber mit großen regionalen Unterschieden. Wir werden beispielsweise weniger betroffen sein als die polaren Breiten. Wenn es im Mittel wärmer wird, werden auch die extremen Wetterlagen wie Starkregen und Hagel zunehmen. Die Winter werden nasser und die Sommer trockener mit intensiveren Hitzeperioden. Unklar ist die Entwicklung bei den Stürmen. Wahrscheinlich werden sie in Mitteleuropa stärker, aber nicht häufiger auftreten.
Lieber Herr Plöger, wir danken Ihnen für dieses Interview.
Die Fragen stellte Angela Berg, Fachverband SHK NRW |